Sonntag, 10. August 2014

Travel | Den Haag - eine Woche ohne Tomaten (Video #2)


Drei Tage konnte ich nun unseren Spontanurlaub in mir arbeiten lassen und mit jeder Erinnerung bekomme ich ein Lächeln auf die Lippen. Wir hatten das ganze Jahr nichts gebucht, weil wir einfach nicht wußten wie und wann und wohin unser Herz uns ruft, ich wollte nur weg, was anderes sehen, andere Landschaft, andere Kulisse, neue Impulse. Um so mehr bin ich hin und weg und beginne Fernweh zu bekommen, Meeressehnsucht nach einem Ort, an den ich noch nie wollte, nicht wußte, dass es ihn gibt, mich nie interessiert hat. Vielleicht ziehen wir hin.


Ich bin früh um sechs Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu sehen, die Flut zu erwarten, die schlafenden Möwen zu begrüßen und den Sand als Erste mit Fußspuren zu versauen. Ich mag dieses unendliche Wasser und die Vermutung, dass ganz dahinten wo das Meer aufzuhören scheint, die Erde vielleicht doch ein Scheibe mit einem großen Wasserfall ist. Der Onkel Jan sammelt seit Jahren Strandgut und hat sich seine Hütte daraus gebaut. An jedem Fahrradständer ist ein von Kindern vergessenes Sandförmchen. Vielleicht ziehen wir da mit ein und dann kauf ich mir ein Fahrrad mit Seifenkiste dran für die Spunke.


Die City ist großartig, ein Traum jeder Frau sozusagen ;-) Ob exklusive Designer oder bekannte Shoppingmarken, alles ist vor Ort.  Ich glaube kein Kontinent und keine Religion fehlt zudem hier mit Vertretern, aber trotzdem gibt es eine spürbare Zusammengehörigkeit.  Kennt ihr das von Berlin oder New York, wo man das Gefühl hat alles sei hektisch, anonym, egoistisch? In Den Haag ist es trotz der Fülle an Menschen und Fahrrädern sehr entspannt, miteinander, im Fluß, im gemeinsamen Spielzug, ich habe kaum soziale Unterschiede bemerkt, hatte keine Angst vor Seitengassen. Es gibt auch viele Rollstuhlfahrer und alte Herren am Stock (und das will in einer Innenstadt was heißen!),  Frauen halb oder ganz verhüllt und doch schaut man sich in der Straßenbahn noch in die Augen anstatt ins iPhone und fast ländlich sagt  sich jeder Guten Morgen.  Es tut sich der Verdacht auf, dass gewisses Grünzeug oder das Feuer am "Vredespaleis" (Friedenspalast) doch ihre Wirkung haben, es könnte aber auch an der stetigen Höchstgeschwindigkeit von 120km/h auf den Autobahnen liegen, dass alle so relaxed sind. Wir sollten jetzt ernsthaft da hin ziehen.


Den Haag hat mitten in der Innenstadt zudem auch wundervolle Gebäude und ein großzügiges Kulturangebot wie z.B. den Königspalast "Noordeinde", es gibt ein Chinatown und eine Skyline mit Tower zum mal-runter-spucken, aber wir haben uns für empfehlenswerte Touristenattraktionen ganz im Sinne der Spunke entschieden: Das  Meeresaquarium "Sea life Scheveningen" und das Miniaturholland "Madurodam". Das Madurodam ist entgegen meinen Erwartungen wirklich wirklich ein must-visit in Den Haag, vor allem wenn man Urlaub mit Spunken macht. Neben Sehenswürdigkeiten und Architektur ist die gesamte Infrastruktur voll animiert nachgebaut und die Spunke können brennende Schiffe löschen, Wasser pumpen für die Schleusen, Containerschiffe beladen und alle dreißig Sekunden fährt ein Zug vorbei - natürlich alles in Mini.


Ich bin ja total verknallt in Jellyfish, deshalb musste ich euch unbedingt das Farbspiel als kurzes Video hochladen. So in love with jellyfish! *schmunzl  Es ist für den hohen Preis nicht das beste Aquarium (wir haben in Deutschland schon viele besichtigt, weil wir selbst Fischis zu Hause schwimmen haben), aber der begehbare Tunnel durch ein Wasserbecken und die beleuchteten Quallen sind absolut sehenswert.
 

Mein großer Wunsch war den Hafen zu besichtigen. An der Stelle muss ich meine Spunke mal hoch loben: in Holland ist es nämlich üblich das Auto stehen zu lassen, es gibt kaum - und wenn nur maximal teuer - Parkplätze. Deshalb sind wir ganz 4 Kilometer den Strandweg zu Fuß zum Hafen geschlendert, ohne Murren, nur mit einer Eiscremépause. Ich liebe Segelbote, Fischkutter - den Hafen, da geht mir das Herz auf. Auch wenn mich jetzt Familie und Freunde verlassen werden oder schief ansehen, aber OMG mein neues Lieblingsessen ist Hering mit Zwiebeln. Ich habe mir jeden Tag einen icke auf die Hand gegönnt, yummi yummi, auch wenn die Spunke es nicht verstanden haben, wie man DAS essen kann, die Möwen fanden es gut und attackierten spontan meinen Pappteller. Zu allem Übel mit dem Möwenangriff und dem Nachspiel der Zwiebeln (Einsamkeit, lach) muss ich aber jetzt WIRKLICH da hin umziehen, weil es in Thüringen einfach keinen Hering gibt. OMG!



Die Woche ging rasend schnell um und natüüürlich wären wir auch gerne länger geblieben, ist ja doch schön, wenn einem jeden Morgen das Bettchen gemacht wird, während man auf der Terrasse mit Meerblick sein nicht-selbst-gequirltes Rührei vernascht, gelle. Da kommt die Hausfrau doch mal ganz auf Ihre Kosten. 

Einen Reisetip habe ich noch: Packt euch die Koffer voll mit Obst und Gemüse! Das gibt es dort nämlich nicht. Anfangs dachte ich, wir hätten uns verfahren und seien in der UK gelandet, denn das Hauptnahrungsangebot reduzierte sich auf panierten Fisch und Frites, panierte Garnelen und Frites, Muscheln, Herring und Pannekoeken. Ich habe mich sooo nach Tomaten gesehnt ;-)


PS: Verlinkt mir doch in den Kommentaren eure Sommerurlaubsziele, dann komm ich mal luschern und mir Inspiration für das Reiseziel nächstes Jahr holen ;-)

braungebrannte Grüße,
eure Leene

Kommentare:

  1. Liebe Leene,
    vielen Dank für diesen traumhaften Reisebericht!!! Du hast voll die Sehnsucht nach Holland bzw. DenHaag in mir geweckt! (ich war vor ca. 30 Jahren das letzte Mal dort) Das wird definitiv eines unserer nächsten Reiseziele!!
    Liebe Grüße vom Bodensee,
    Frau Mani

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  2. Boah, sind das tolle Fotos! Bin hin und weg :)
    LG, Heike

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  3. Ach, sehr toll. Kommt gleich auf meine To Visit Liste. Kann es sein, dass einem mit 32 Jahren schon bewusst wird, dass das Leben zu kurz ist? Bei mir ging gerade auch ein Post über unseren Urlaub online. Wenn du Lust auf Schweden hast oder bekommt möchtest, schau doch vorbei: http://naeh-connection.blogspot.de/2014/08/a-new-camera-and-trip-to-sweden-eine.html (der post ist auf englisch udn deutsch)

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  4. Hach, jetzt bekomm ich fernweh. Wir waren letztes Jahr ebenfalls eine Woche in Den Haag und es war einfach traumhaft...allerdings blieb es nicht bei Den Haag. Wir waren einen Tag in Amsterdam, je einen Nachmittag in Rotterdam, Delft und Scheveningen...einfach wunderschön.
    Und zum Thema Obst und Gemüse: Das nächste Mal solltet ihr unbedingt den Haagse Markt in Den Haag besuchen. Da gibt es ganz viele verschiedenen Stände, Haushaltswaren, Taschen, Kleider, Stoffe und Nähzubehör (!) und selbstverständlich Unmengen an frischem Obst und Gemüse, ganz oft sogar mit Probierhäppchen! Ich hätte dort Stunden verbringen können.
    Ich seh schon, unser Kleiner, der nächstes Jahr unbedingt wieder dort hin möchte hat ganz gute Chancen....
    Danke für deinen tollen Bericht und die unglaublich schönen Fotos!
    LG Anne

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  5. Ne, da muss ich dich enttäuschen: kein anderes Ziel, nur einige Kilometerchen weiter nördlich hinter der schönsten bewaldeten Düne lass ich mir die Seele auspusten...
    Demnächst mehr an bekannter Stelle!
    GLG
    Astrid

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  6. Wie Hering mit Zwiebeln ? Mit Brötchen oder pur ?
    Wunderschöner Reisebericht ;-).

    Glg

    Sandra
    von den felinchens

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  7. Tolle und traumhafte Bilder! Ach, da kommen Erinnerungen an unseren Urlaub wieder. Diese Ecke kenne ich gar nicht, müssen wir unbedingt ändern. Wir waren nördlich von Amsterdam. Traumhafte Strände, nicht so multikulti, tolle Supermärkte mit viel Obst und Gemüse (auch Bio) und sogar zwei Demeterhöfe in der Nähe, wo man Einkaufen konnte... Und viele viele Tiere auf den Weiden, so dass die Kinder nur noch gestaunt haben. Einfach herrlich!
    Liebe Grüße
    Johy

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